Die Geschichte der menschlichen Nutzung des Wassers und somit jene der
Hydrologie, der Wasserwirtschaft und besonders des Wasserbaus, ist durch
eine vergleichsweise geringe Zahl von Grundmotiven geprägt. Von den ersten
sesshaft werdenden Menschen zu den Hochkulturen der Antike über das Mittelalter
bis zur Neuzeit stand im Zentrum immer ein Konflikt zwischen einem zu viel
und einem zu wenig an Wasser. Ihm war man dabei fast immer ausgeliefert,
ob durch Dürren die Ernte einging oder Hochwasser Leben und Besitz bedrohte.
Es wurde auch zum Gegenstand der Mythologie und später auch Naturphilosophie.
Noch heute kommt dem Wasser in den meisten Religionen der Welt eine Sonderstellung
zu, besonders dort, wo die Frage des Überlebens von der Lösung der zahlreichen
Wasserprobleme abhing. Ziel war es allen Nutzungsansprüchen gerecht zu werden
und dabei auch jedem Menschen den ihm zustehenden Teil des Wassers zu garantieren.
Hierzu wurde das Wasserrecht als eine der ersten Rechtsformen zum Mitbegründer
der ersten zentralistischen Zivilisationen von Mesopotamien und Ägypten,
bis in die Flusstäler Chinas und Indiens. Die lange Geschichte der Wassernutzung
zeigt sich dabei, wie die Menschheitsgeschichte insgesamt, nicht als ein
kontinuierlicher Entwicklungspfad. Sie wurde vor allem durch einzelne Zentren
hohen wasserwirtschaftlichen Standards sowie immer wiederkehrende Brüche
geprägt, neben oft Jahrhunderte lang währenden Stagnationsphasen. So beeindruckend
die frühen wasserbaulichen Anlagen dabei auch waren, wie groß sich Innovationskraft
und Kreativität unserer Vorfahren auch zeigte, letztlich war und ist man
auch heute noch abhängig von der Natur, die man jedoch erst in vergleichsweise
jüngster Zeit anfing wirklich zu verstehen.